In den letzten Jahren haben die in türkischen Agrarprodukten festgestellten Pestizidrückstände zu einem wachsenden Risiko für die Lebensmittelsicherheit geführt. Wissenschaftliche Analysen aus den Jahren 2020–2025 zeigen, dass es sich nicht nur um einzelne Fehler handelt, sondern um ein strukturelles Problem: Bei bestimmten Produkten werden die zulässigen Höchstwerte für Rückstände (MRL) teils um ein Vielfaches überschritten.
Laut einem MDPI-Bericht aus dem Jahr 2025:
„Die Türkei weist im Zeitraum 2020–2025 einen deutlichen Anstieg pestizidbezogener RASFF-Meldungen bei Obst- und Gemüseexporten in die EU auf.“
Diese Entwicklung schädigt das Vertrauen in türkische Produkte auf dem europäischen Markt und erhöht zugleich das wirtschaftliche Risiko für Produzenten und Exporteure.
Woche vom 17.–21. November: 24 EU-Warnmeldungen zu Gesundheitsrisiken
Allein innerhalb einer einzigen Woche veröffentlichten EU-Mitgliedstaaten 24 Gesundheitswarnungen zu aus der Türkei exportierten Lebensmitteln. Der Großteil der Meldungen betraf Pestizidrückstände. Besonders häufig betroffen waren:
- Rosinen / getrocknete Weintrauben
- Zitrusfrüchte
- Gemüse (insbesondere Paprika und Gurke)
Im aktuellen Bulletin der Gesundheitsstiftung heißt es:
„Alle nachgewiesenen Pestizide werden insbesondere für Kinder als Hochrisikostoffe eingestuft.“
Zentrale Befunde
1. Acetamiprid-Überschreitung in Rosinen
Eine von den Niederlanden veröffentlichte RASFF-Meldung berichtete über 0,26 mg/kg Acetamiprid in für Kinder verpackten Rosinen (EU-Grenzwert: 0,08 mg/kg).
2. Chlorpyrifos-Methyl in Zitrusfrüchten
Österreich meldete Chlorpyrifos-Methyl in Mandarinen aus der Türkei. Dieses Pestizid ist sowohl in der EU als auch in der Türkei verboten.
3. Fosthiazat in Gemüse
In mehreren Gemüsepartien – insbesondere Paprika und Gurken – wurde Fosthiazat nachgewiesen, ein in der EU als hochriskant eingestufter Wirkstoff.
Laut Gıda Bülteni:
„Die aktuelle Häufung der Warnmeldungen deutet darauf hin, dass es in mehreren Gliedern der Kontrollkette zu Schwachstellen kommt.“
Warum gibt es so viele Warnmeldungen?
Wissenschaftliche Studien aus den Jahren 2020–2025 heben drei strukturelle Probleme hervor:
- Unzulässige oder überdosierte Anwendung von Pestiziden
- Qualitätskontrollprobleme in der Nacherntephase
- Fehlende oder unzureichende Pestizidtests / Pestizidanalysen vor dem Export
Lösungswege — Was muss getan werden?
- Strengere Kontrollen: Einhaltung der zugelassenen Pestizidlisten während der Produktion
- Verpflichtende Pestizidtests (Pestizidanalyse / Rückstandsprüfung) vor dem Export
- Schulungen: Kontinuierliche Fortbildung der Produzenten zu Dosierung, Wartezeiten und Verboten
- Rückverfolgbarkeit: Transparente Informations- und Dokumentationssysteme entlang der Lieferkette
Diese Maßnahmen stärken sowohl das Vertrauen der Verbraucher als auch die Position der Exporteure auf dem europäischen Markt.
Quellen
- Gıda Güvenliği Derneği — Monatliche RASFF-Warnberichte
- Gıda Bülteni — Fachportal für Lebensmittelsicherheit und öffentliche Gesundheit
- Diken Nachrichtenportal — Bericht zu zurückgewiesenen Lebensmittelexporten in die EU (2025, November & Dezember)